Oberstübner Mundartbuch

Dialekt, Redeformeln, Reim...

Angeregt von einer der vielen Familienfeiern in der Weihnachtszeit, habe ich den Gedanken aufgegriffen, ein Wörterbuch der Oberstübner Mundart zu erstellen.

Unsere Kinder lauschen mit Bedacht den Gesprächen der Alten, oft verstehen sie den Dialekt nicht mehr und mit jedem Oberstübner, der von dieser Erde abgerufen wird, schwindet ein Stück Erinnerung. Alle Oberstübner, die vor der Aussiedlung ihre Kindheit in Oberstuben verbracht haben, sind heute im Rentenalter. Es wird nicht mehr lange dauern und niemand kann mehr erzählen.

Hier soll für unsere nachfolgenden Generationen die Oberstübner Mundart festgehalten werden.

Aber dabei möchte ich natürlich nicht stehen bleiben, deshalb bin ich für jede Zusendung weiterer Anwendungen dankbar.

Durch zahlreiche Gespräche mit Oberstübnern konnte der gegenwärtige Wortschatz erstellt werden, und ich danke für die Unterstützung. An die im Literaturverzeichnis aufgeführten Beiträge habe ich mich orientiert und danke den Verfassern. Insbesondere bedanke ich mich bei den in Satow ansässigen Oberstübnern für Ihre Unterstützung.

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Möge dieses Büchlein in jeder Oberstübner Familie seinen Platz finden, um auch die Oberstübner Mundart nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Der Oberstübner Dialekt

Innerhalb der deutschen Sprachinsel wurde die deutsche Sprache durch den Heimatdialekt geprägt und durch die Ungarn/Östereicher, Tschechen und Slowaken beeinflusst. Ich versuche mit diesem Büchlein nicht die Rechtschreibung der Oberstübener Mundart verständlich zu machen, sondern nur deren Aussprache.

Es bestehen große Schwierigkeiten, das gesprochene Wort in der Mundart niederzuschreiben. Auch den vielen Oberstübnern, mit denen ich in Vorbereitung dieses Büchleins gesprochen habe, kam die Mundart auf dem Papier völlig fremd vor, obwohl man sie seit Kindheit an im Ohr hat. Die halbnasalen Laute, sowie die Mischung verschiedener Vokale lassen sich nicht präzise wiedergeben.

Auch unterliegt der Dialekt einer ständigen Wandlung, so wurden nach dem Ersten Weltkrieg häufiger Wörter aus der deutschen Schriftsprache übernommen. Während des Zweiten Weltkrieges hat sich dies noch verstärkt. Die Dialekte waren von Ort zu Ort verschieden, aber eine Verständigung untereinander möglich.


Für den Konsonanten "W" verwendete man "B", für den Konsonanten "F" verwand man "W",
der Konsonant "V" wird als "W" gesprochen, in einigen Fällen der Konsonant "B" als "P" gesprochen.
Der Vokal "A" wird als "U" gesprochen, der Vokal "E" wird vorwiegend als "Ä" gesprochen.
Das "EU" wird als "AI" oder "UA" benutzt. Umlaut "Ü" wird in der Mundart nicht verwendet.

In der Mundart werden die Vokale mancher Wörter sehr gedehnt gesprochen, deshalb wurden diese in dem Wörterbuch mit einem Akzent-aigu gekennzeichnet.


Der Vokal "i" wird unterschiedlich gesprochen. Beim Wort Wiedersehen "biedersieh", wird er nicht hell gesprochen, sondern hat vielmehr die Ähnlichkeit eines "e".
Das "W" wird weich, das "E" dunkler und lang gesprochen, dafür lässt man das "E" nach dem Konsonanten "L" weg. Das "U" hat die Färbung eines "O" oder wird wie ein Doppelvokal gesprochen.
Das lang "IE" ähnelt eher einem "E". Der Vokal "E" wird überwiegend als "Ä" gesprochen.

Eltern, Tanten, Onkel und Paten redete man nur mit "Ihr" an.


Redeformeln

Ebenfalls haben sich feste Redeformeln herausgebildet:

Betreten eines Hauses
Eintrittsgruß
Galobt sai Jesus Christus Gelobt sei Jesus Christus
Antwort ANebigkeit Amen In Ewigkeit Amen
Hausfrau SGoot pukomm puons Schön willkommen bei uns
Antwort DankIchGoot Dank Euch Gott
Beim Essen Gootgasegn's Ich Gott segne es Euch
Beim Trinken Helf Goot Hilf Gott
Antwort Seg'n Goot Gott segne es
Abends beim Verabschieden Helf Goot, dorabed gut schlófn Hilf Gott, dass Ihr gut schlafen werdet
Antwort Helf Goot achAich Hilf Gott auch Euch

Mehr über den Oberstübner Dialekt

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