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Geschichte des
Krabbenkutters „Martha“, Husum heute Gaffelketsch
„Spökenkieker“, Rostock Kapitän Fritz Lorenzen aus Husum ließ 1935 auf der
Bootswerft Dawartz in Tönning an der Eider den auf den Namen
„Martha“ getauften Krabbenkutter aus Eiche auf Eiche bauen.
Stapellauf war im April 1935 und wurde von der Seeberufsgenossenschaft
mit 33,0 m³ Bruttoraumgehalt vermessen. Als „Segelschiff mit Motor“
erhielt es eine Sloop-Takelung und war mit einem 28 PS-Glühkopfmotor
ausgerüstet, der später durch einen 50 PS Modak Motor ersetzt wurde. Der Kutter wurde für die kleine
Hochseefischerei zugelassen und ging von seinem Heimathafen Husum aus
mit der Nummer HUS 12, Unterscheidungssignal DDPC, auf Krabbenfang. In
den ersten Jahren wurde mit einem Netz gefischt, das über das Heck
ausgebracht wurde, später erfolgte der Fang mit Doppel-Baum-Kurren, das
heißt mit Netzen, die vom Mast aus über Bäume seitlich an Backbord
und Steuerbord geschleppt wurden. Im Kriege wurde er als Vorpostenboot im
Englischen Kanal eingesetzt. Er sollte von Calais aus an der Invasion
Englands teilnehmen, wozu es glücklicherweise nicht kam. So kehrte die
„Martha“ bereits 1941 wohlbehalten nach Deutschland zurück. Im
Februar 1950 wurde das Unterscheidungssignal vom Amtsgericht Schleswig
in DJIP geändert und ebendort im Oktober 1955 eingezogen. 1971 erwarb Kapitän Mommensen, Husum, den
Kutter und ging damit weiterhin auf Fisch- und Krabbenfang. Er ersetzte
den alten Holzmast durch einen Stahlmast und baute den noch heute an
Bord befindlichen 100 PS Deutz-Dieselmotor ein. 1976 machten die weiterentwickelten Fangtechniken in
der Fischerei auch vor der „Martha“ nicht halt. Die
durchschnittliche Kuttergröße hatte Mitte der 70-er Jahre an der
Nordseeküste bereits 14 – 16 Meter erreicht, so dass mit 12 m-Booten
dort kein Geld mehr zu verdienen war. Die „Martha“ wurde aufs
Altenteil geschickt und anschließend von einem unbekannten neuen
Voreigner zum Sportboot umgebaut. Das kleine urtypische Ruderhaus wurde
abgerissen. Wo früher Fischkisten gestapelt wurden, entstanden sechs
Kojen, Messe und Pantry. Die Gaffelbeseglung war mit 50 m²
vergleichsweise eher bescheiden. Die „Freia“, wie das Boot nun hieß,
wurde vermutlich vorwiegend unter Motor betrieben. Bereits 1999 sahen
das heutige Eignerehepaar den Traditionssegler beim Hafenfest im
Seequartier von Mariehamn, auf der finnischen Ålandinsel. Damals noch
per Fähre und auf Rädern unterwegs, versprachen sie sich solche Reisen
nur noch mit eigenem Schiff zu unternehmen. Nach dem es nun 2001 erneut
zum Verkauf anstand, entschlossen sie sich spontan die Gaffelketsch zu
erwerben und nach Rostock in den Museumshafen zu holen. Ausschlaggebend
dafür waren nicht nur die Liebe zu alten Segelschiffen sondern vielmehr
auch der persönliche Bezug zu den Namen, die die Ketsch bisher führte.
Natürlich aus rein spökenkiekerischer Sicht, versteht sich. |
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